Organisation
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL ist die Schaltstelle für die Akteure der Landesversorgung. Es koordiniert die Vorbereitung und in Mangellagen die Umsetzung von geeigneten Massnahmen. Im Weiteren beaufsichtigt das BWL die Pflichtlagerhaltung. Kommt es zu Mangellagen übernimmt das BWL eine Schlüsselrolle bei der Kommunikation von getroffenen Massnahmen an die Wirtschaft und Bevölkerung. Zu den Akteuren der wirtschaftlichen Landesversorgung gehören neben dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung das Milizkader, die kantonalen Delegierten sowie weitere Bundesstellen und die Armee.
Der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung
Roland Pfister (*1977) ist seit dem 1. Oktober 2025 Delegierter für wirtschaftliche Landesversorgung.
Nach dem Abschluss seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen und der University of California 2004 erwarb er 2013 an der Universität St. Gallen einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften (Dr. oec. HSG). Nach Tätigkeiten in der Unternehmensberatung und im Finanzsektor arbeitete Roland Pfister als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität St. Gallen. 2014 übernahm er die Leitung der Marketing- und Unternehmenskommunikation der Micarna SA in Bazenheid SG und Courtepin FR. 2020 wurde er Direktor Unternehmenskommunikation Migros Industrie beim Migros-Genossenschafts-Bund. Von 2023 bis 2025 war er Stellvertretender Leiter Nationaler Krisenstab des Genossenschafts-Bundes.
Neben seiner militärischen Tätigkeit, aktuell im Rang eines Oberst i Gst, sammelte er Erfahrungen als Gemeinderat und Schulrat und ist mit einem internationalen Lehrauftrag betraut.
Als erfahrener Krisenmanager und Führungsexperte aus Industrie und Militär ist er mit den unterschiedlichen Anforderungen, zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor bestens vertraut. Er verfügt über umfassende Expertise in der sektorübergreifenden Kommunikation, im Krisenmanagement und in der Lösung komplexer Probleme.
Fachbereiche der wirtschaftlichen Landesversorgung
Die Organisation der wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) vereint sechs Fachbereiche, in welchen den Fachkräften im Bundesamt Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft, von Verbänden und anderen Fachämtern (Miliz) zur Seite stehen:
Die WL umfasst darüber hinaus die Sektion Vorratshaltung.
Milizorganisation der Wirtschaft
Die Milizorganisation der wirtschaftlichen Landesversorgung besteht aus rund 250 Expertinnen und Experten aus der Privatwirtschaft und fachlich kompetenten Verwaltungszweigen. Sie alle stellen persönliches Fachwissen und Erfahrung in den Dienst der WL. Sie organisieren sich in den Fachbereichen Energie, Ernährung, Heilmittel, Logistik, IKT und Industrie.
Kantone und Armee
Kantone und Gemeinden sind wichtige Partner der WL und mit eigenen Fachleuten auch in den Fachbereichen vertreten. WL-Massnahmen können sich direkt auf die Tätigkeiten der Kantone auswirken. Zudem sind die Kantone wichtige Multiplikatoren.
Um die Kantone jederzeit rasch über Massnahmen der WL informieren zu können und um sie frühzeitig in die Vorbereitungen miteinzubeziehen, arbeitet die wirtschaftliche Landesversorgung eng mit den Kantonalen Delegierten für wirtschaftliche Landesversorgung (KDWL). Zur Gruppe der kantonalen Delegierten gehört auch der Vertreter des Fürstentums Liechtenstein. Das Fürstentum wird über den Zollvertrag mit der Schweiz in die wirtschaftliche Landesversorgung eingebunden.
Der Kontakt zur Armee wird über den Militärischen Delegierten der wirtschaftlichen Landesversorgung (MDWL) sichergestellt.
Die Zusammenarbeit mit den Kantonen ist in den Weisungen des WBF zuhanden der Kantone geregelt.
Pflichtlagerorganisationen
Die Schweiz ist ein Land mit wenig Ressourcen und hoher Importabhängigkeit. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die wichtigsten Güter vorrätig sind. Um dem Land eine gewisse Unabhängigkeit zu verschaffen, hat die wirtschaftliche Landesversorgung das System der Pflichtlagerhaltung entwickelt.
Die Pflichtlagerhaltung basiert – wie die gesamte wirtschaftliche Landesversorgung – auf der Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft: Der Bund bestimmt, welche lebenswichtigen Güter in welchen Mengen an Lager gehalten werden müssen und welche Unternehmen der Lagerpflicht unterstellt werden. Der Bund ist nicht Eigentümer dieser Pflichtlager, sondern die Unternehmen, welche die Lager bewirtschaften.
Die Pflichtlagerorganisationen sind privatrechtliche Selbsthilfeorganisationen, die eine effiziente und wettbewerbsneutrale Pflichtlagerhaltung gewährleisten sollen. Sie verwalten die Garantiefonds und sind für die Bereitstellung der notwendigen Mengen zuständig.
Zudem vertreten sie die Interessen der Pflichtlager-Unternehmen gegenüber dem Bund und fungieren als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Staat.
Es gibt fünf Pflichtlagerorganisationen:
- CARBURA Pflichtlagerorganisation der schweizerischen Mineralölwirtschaft
- réservesuisse Pflichtlagerorganisation für Nahrungs- und Futtermittel
- Agricura Pflichtlagerorganisation für Düngemittel (Stickstoff)
- Helvecura Pflichtlagerorganisation von Heilmitteln
- Provisiogas Pflichtlagerorganisation für Erdgas
Internationale Zusammenarbeit
Die wirtschaftliche Landesversorgung (WL) ist in Fragen der Versorgungssicherheit in regelmässigem Kontakt mit anderen Staaten und internationalen Organisationen. In einer globalisierten Wirtschaftswelt mit grenzüberschreitendem Austausch von Gütern und Dienstleistungen ist eine Mitwirkung auf internationaler Ebene unerlässlich, nicht nur in Krisen.
Energie
Internationale Energieagentur (IEA): Sie ist eine autonome Organisation innerhalb der OECD. Die Schweiz ist Gründungsmitglied der IEA und hat sich zu Notfallbereitschaft und Krisenmassnahmen bei Erdöl und Erdgas verpflichtet. Die IEA überprüft die Bemühungen der Mitgliedländer. Die letzte IEA-Überprüfung der Schweizer Energiepolitik war 2023.
Das BWL wirkt in zwei Arbeitsgruppen der IEA mit: der Standing Group on Emergency Questions (SEQ), die sich mit der Bewältigung internationaler Erdölkrisen befasst, und der Standing Group on the Oil Market (SOM), die Analysen des globalen Erdölmarktes erstellt.
Weiterführende Informationen: www.iea.org, Switzerland 2023 – Analysis - IEA
Das Pentalaterale Energieforum: Das Penta-Forum ist eine freiwillige Zusammenarbeit zwischen den Energieministerien Belgiens, Deutschlands, Frankreichs, Luxemburgs, der Niederlande, Österreichs und der Schweiz. Das Bundesamt für Energie repräsentiert seit 2011 die Schweiz im Forum. Das Gremium zur Stärkung der regionalen Energiesicherheit erleichtert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den Strom- und Gasmärkten und erhöht die Risikobereitschaft. Das BWL beteiligt sich insbesondere an den regionalen Krisenübungen, zusammen mit den relevanten Akteuren der Schweizer Delegation (BFE, ElCom und Swissgrid).
Weiterführende Informationen: BFE-Magazin energeia-plus November 2024
Heilmittel
Joint Action (JA) CHESSMEN - Coordination and Harmonization of the Existing Systems against Shortages of Medicines – European Network: Das EU-Projekt JA CHESSMEN will die vorhandenen Strukturen der EU-Mitgliedstaaten zur Überwachung, Vorbeugung und Behebung von Versorgungsstörungen bei Arzneimitteln besser koordinieren und harmonisieren. Die BWL-Geschäftsstelle Heilmittel ist im externen Advisory Board. Das Gremium für Fachleute aus Nicht-EU-Staaten kann die Arbeitsergebnisse des Projekts auf festgelegte Kriterien wie die Vollständigkeit und Machbarkeit der Massnahmen prüfen und Empfehlungen abgeben.
Weiterführende Informationen: www.ja-chessmen.eu
Ernährung
Expertengruppe des Europäischen Krisenreaktionsmechanismus (EFSCM): Nach Covid-19 hat die EU-Kommission einen Notfallplan erarbeitet, um die Lebensmittelversorgung in Krisenzeiten zu gewährleisten. Die Expertengruppe EFSCM ist Teil des Notfallplans. Sie stärkt die Zusammenarbeit und koordiniert eine europäische Reaktion auf Krisen im Ernährungssektor. Für die Schweiz sind Fachleute von BWL, BLW und BLV dabei.
Weiterführende Informationen: EFSCM
Schweizerisches nationales FAO-Komitee (CNS-FAO): Die Welternährungsorganisation der UNO (FAO), der die Schweiz seit 1946 angehört, ist zentral für alle Fragen zur Ernährungssicherheit. Der Bundesrat hat mit dem CNS-FAO ein Konsultativorgan. Das BWL nimmt als Gast teil und kann dadurch auf relevante Themen aufmerksam machen. Im Gegenzug profitiert die WL vom Netzwerk für die Arbeit ihres Fachbereichs Ernährung.
Weiterführende Informationen: CNS-FAO
