Fachbereich Heilmittel

Die Aufgabe des Fachbereichs Heilmittel besteht in der Planung und Sicherstellung der Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Arzneimitteln, Medizin- und Hygieneprodukten im Fall schwerer Mangellagen. Er wird von Christoph Amstutz geleitet.

Der Fachbereich setzt sich aus drei Abteilungen sowie dem Fachausschuss der Meldestelle zusammen.

-       Arzneimittel
-       Medizinprodukte
-       Hygieneprodukte
-       Fachausschuss Meldestelle

Aufgabe der im Nebenamt tätigen Experten ist es, Kenntnisse, Erfahrungen und Beziehungen sowie das wissenschaftliche Know-how aus ihren Fachgebieten einzubringen. In dieser Funktion analysieren sie die Versorgungslage, erarbeiten bzw. aktualisieren Bewirtschaftungs-grundlagen und beantragen bei Bedarf den Einsatz von Massnahmen, an deren Vollzug sie sich ebenfalls beteiligen.

Interview mit Christoph Amstutz, neuer Leiter Fachbereich Heilmittel

Christoph Amstutz

Alle müssen «zur gleichen Zeit mit derselben Kraft am Ruder ziehen»

Christoph Amstutz, am 1. Januar 2022 übernehmen Sie die Leitung des Fachbereichs Heilmittel für die Wirtschaftliche Landesversorgung (WL). Sie werden dafür sorgen müssen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz möglichst ununterbrochen Zugriff auf lebenswichtige Arzneimittel sowie Medizin- und Hygieneprodukte haben. Wie muss man sich Ihre Aufgabe vorstellen?

Christoph Amstutz: Mit der Leitung des Fachbereiches bin ich beauftragt, die Ausrichtung des Fachbereiches und die Aufgaben zusammen mit dem Delegierten für Wirtschaftliche Landesversorgung (DWL) und den Bereichsleitern zu definieren. Die drei Fachausschüsse Arzneimittel, Medizinprodukte und Hygieneprodukte führen dabei, von den Bereichsleitern mit Hilfe der Milizmitarbeiter eigenständig geführt, die definierten Abklärungen und Aufgaben aus. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL als «Sekretariat» und professionelles Amt bereitet dann die Vorstösse vor und führt Vernehmlassungen durch, welche die notwendigen gesetzlichen Grundlagen für die Aufgaben der wirtschaftlichen Landesversorgung schaffen. Meine Aufgabe ist somit mehr die eines strategischen Mitarbeiters, welcher mit seinem Team die notwendigen Massnahmen plant und wenn nötig Kontakte mit der Wirtschaft aufnimmt und gegenüber dem DWL als Verantwortlicher amtet.

Corona hat, als Desinfektionsmittel für die Hände fehlte, vielen Leuten erst bewusst gemacht, wie wichtig die Wirtschaftliche Landesversorgung ist. Im Bereich Heilmittel werden zudem Versorgungsstörungen immer zahlreicher. Ergibt sich daraus neuer Handlungsbedarf für die WL?

Ja, in der Tat wurden die vorhandenen Grundlagen in der Vergangenheit zum Teil nicht genügend umgesetzt. So wurden empfohlene «Notvorräte» an Masken und Schutzkleidungen nicht gehalten. Man war der Ansicht, im Krisenfall schon noch genügend Zeit zu haben, um die Vorräte aufzustocken. Wir mussten die Erfahrung machen, dass viele Materialien von einem Tag auf den anderen fehlten. Um dies in Zukunft besser zu machen, müssen wir in den nächsten Monaten – wenn die Krise allen noch vor Augen ist – die Massnahmen planen, welche notwendig sind, um eine Versorgung für eine nächste Pandemie zu sichern. Zusammen mit Bund und Kantonen müssen die Sicherheitsbestände definiert und auch wirklich eingekauft und gelagert werden. Hier ist auch die Privatwirtschaft einzubinden, um kostengünstige Lösungen zu finden. 

Sie sind seit über 10 Jahren in der WL tätig und seit 3 Jahren stellvertretender Leiter des Fachbereichs Heilmittel und deshalb mit der Materie gut vertraut. Sehen Sie neue Herausforderungen auf sich zukommen?

Ja, wir müssen die Versorgung der Schweiz mit griffigen Mitteln ausstatten, damit wir den sich immer schneller wandelnden Anforderungen Herr werden können. So sollten wir im Bereich Heilmittel die rezeptpflichtigen Arzneimittel einer generellen Meldepflicht unterstellen, damit wir schon bei den ersten Anzeichen von Versorgungsstörungen mit den richtigen Schritten helfen können, die Versorgung zu sichern. Damit wird die Meldeplattform ein wichtiges Instrument für alle Markteilnehmer: Sie können frühzeitig planen oder Alternativen suchen. Auch im Bereich Hygieneprodukte muss die Lagerhaltung von Alkohol geregelt sein, damit wir nicht wieder aus Schnäpsen Desinfektionsmittel machen müssen und wir nach Williams riechen nach der Handreinigung. Im Bereich Medizinalprodukte wird die Versorgung der Schweiz nach dem Scheitern des Rahmenabkommens mit der EU eine grosse Aufgabe. Hier müssen wir dafür sorgen, dass die gesetzlichen Hürden für den Import aus der EU intelligent überwunden werden.  

Ihre hauptberufliche bisherige Tätigkeit war ausschlaggebend für Ihre Wahl als Leiter des Fachbereichs Heilmittel. Können Sie uns kurz etwas dazu sagen?

Ich kenne die Pharmazeutische Industrie durch meine 20-jährige Tätigkeit vom Aussendienst bis zum Geschäftsführer sehr gut. Durch diese Arbeit konnte ich ein grosses Netzwerk zu den Leitungserbringern in der Arztpraxis, im Spital und in Apotheken und Drogerien sowie in der Industrie selbst aufbauen. Nach dem Wechsel in den Dienstleitungssektor im Grosshandel lernte ich auch die logistischen Herausforderungen für die tägliche Versorgung mit Heilmitteln kennen und in vielen Situationen Lösungen mit meinem Team finden. Die Kombination von Pharma und Logistik war der Hauptgrund für die Wahl.

Sie stehen mit einem Fuss in der Privatwirtschaft, mit dem andern im Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung. Müssen Sie einen Spagat machen?

Ich bin ein schlechter Turner – den Spagat kann ich leider nicht. Aber als Ruderer bin ich mich gewohnt, mit verschiedenen Menschen in einem Boot zu sitzen und voranzukommen. Dies gelingt nur, wenn alle zur gleichen Zeit mit derselben Kraft am Ruder ziehen. Durch meine Funktion als Fachbereichsleiter Heilmittel und Präsident der Pharmalog – dem Verband der Pharmavollgrossisten – kann ich als Scharnier die Public-private Partnership optimieren. Als Teamplayer mit dem professionellen Team im BWL und meinen vielen Kontakten werde ich hoffentlich manche schwierig scheinende Situation entschärfen und für alle Seiten gute Lösungen finden können.

Letzte Änderung 04.01.2022

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Christoph Amstutz

Christoph Amstutz, Leiter Fachbereich Heilmittel

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