Der Delegierte

Werner Meier

Werner Meier, Dipl. El.-Ing. ETH

Delegierter für wirtschaftliche Landesversorgung seit 2016, bis Ende 2020 Leiter Group Security und Business Continuity Management der Alpiq AG

Die Organisation der wirtschaftlichen Landesversorgung wird von einem Delegierten oder einer Delegierten im Nebenamt geleitet. Das Gesetz bestimmt, dass diese Person aus der Wirtschaft stammen muss. Der Delegierte leitet die gesamte Organisation - das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung und die Milizorganisation aus der Wirtschaft.


Internationaler Tag der Katastrophen- vorbeugung am 13. Oktober: Der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Werner Meier, steht Rede und Antwort

Der «International Day for Disaster Reduction», der am 13. Oktober stattfindet, wurde mit dem Ziel geschaffen, die Menschen zu ermutigen, Risiken für Katastrophen vorbeugend zu bekämpfen. Die Zahl der registrierten Naturkatastrophen stieg in den vergangenen Jahrzehnten stetig an.

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Der Internationale Tag der Katastrophenvorbeugung wurde 1989 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Mit Katastrophen waren damals Naturkatastrophen und ihre Folgen gemeint. Jetzt haben wir einen Krieg in Europa, der ähnliche Konsequenzen haben kann …

Werner Meier: Ja, genau. Mit dem Krieg in der Ukraine hat die Katastrophenvorbeugung auf unserem Kontinent eine neue Dimension erhalten, denn hier geht es um eine von Menschen verursachte Situation. Vor gut dreissig Jahren dachte wohl niemand daran, dass wir in Europa wieder mit einem Krieg konfrontiert werden könnten. Und dass uns das zwingen würde, enorme vorsorgliche Massnahmen zu treffen, und zwar insbesondere im Bereich Energie. Noch vor einem Jahr ging man allgemein davon aus, dass die Folgen von Erdbeben, Tsunamis, schweren Stürmen, Fluten, Waldbränden oder Dürreperioden verringert werden müssten; an die Vorsorge für den Fall eines Krieges dachte zumindest in Europa kaum jemand.

In der Schweiz geht die Bevölkerung grundsätzlich davon aus, dass die Landesregierung in einer Krisensituation für sie sorgt. Wie steht es denn mit der Eigenverantwortung?

Tatsächlich ist es für grosse Teile der Schweizer Bevölkerung nicht ganz einfach, die Folgen einer Krise richtig einzuordnen. Die meisten Leute wurden nie im Leben mit einer wirklichen Notsituation konfrontiert und können sich deshalb auch nur schwer in eine solche Situation versetzen. Es gibt aber je nach Situation – insbesondere wenn es sich nicht um Naturkatastrophen handelt – unterschiedliche Massnahmen zu treffen. Wir wurden nach Ausbruch der Corona-Pandemie mit einer schwierigen Situation konfrontiert, auf die wir uns nicht vorbereiten konnten. Eine Strommangellage hingegen ist schon seit Jahren auf dem Radar der Wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) und der Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (OSTRAL). Jetzt, nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine im vergangenen Februar, müssen wir aber noch Anpassungen vornehmen und Umsetzungspläne überprüfen. Das allgemeine Bewusstsein, was es bedeuten kann, mit weniger Strom auskommen zu müssen, ist hingegen recht neu.

Während der Corona-Pandemie wurde immer wieder auf die Bedeutung des Notvorrats hingewiesen. Weiss man, wie viele Personen gut vorbereitet sind und genug Essen für ein paar Tage, Kerzen, Taschenlampen, Masken etc. vorrätig haben?

Genaue Zahlen haben wir nicht. Zwar ist das Interesse an unserer Broschüre «Kluger Rat – Notvorrat» mit Corona und jetzt mit dem Krieg in der Ukraine deutlich gestiegen. Deshalb dürfen wir davon ausgehen, dass heute mehr Haushalte für ein paar Tage Versorgungsengpass gerüstet sind als noch vor drei Jahren.

Vorbeugen ist sicher besser als heilen. Aber im Bereich Energie, der momentan die Schlagzeilen beherrscht, macht man doch sehr auf «Katastrophismus»?!

Das ist insofern verständlich, als eine extreme Mangellage die grösste Bedrohung für Privatpersonen wie auch die Wirtschaft darstellt. Der Bundesrat, die zuständigen Behörden und die Energieversorger werden sicher alles in ihrer Macht Stehende tun, damit es nicht zu einer Bewirtschaftungssituation kommt, aber ganz ausschliessen kann diese niemand. Es ist auch so, dass sich breite Kreise in der Wirtschaft und Bevölkerung sehr wohl bewusst sind, dass sie einen Beitrag leisten können, damit es nicht zu den erwähnten, alle gleichermassen treffenden Massnahmen kommt. Wenn aber Bewirtschaftungsmassnahmen angeordnet werden müssten, dann steigt das Gefühl, nichts mehr zu sagen oder beizutragen zu haben. Wir haben bei Covid gesehen, dass es für viele eine zusätzliche Belastung ist, den Entscheidungen des Bundesrats ausgeliefert zu sein.

Sind die Frühwarnsysteme für mögliche Katastrophen in unserem Land ausreichend?

Klar ist auf jeden Fall, dass es nicht reicht, über das Auftreten extremer Situationen zu informieren. Ohne konkrete Handlungsanleitungen, entsprechende Notfallpläne und auch ein angemessenes Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung geht es nicht. Diesbezüglich sind wir gut aufgestellt, verfügen wir doch über eine Gefährdungsanalyse der Wirtschaftlichen Landesversorgung (WL), die unzählige Notlagen auflistet. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS und den Kantonen zusammen. Sie sind wichtige Partner für das Zusammenspiel mit Wirtschaft und Bevölkerung. Dieses muss auch erprobt werden, was aber selbst mit Sicherheitsverbundsübungen nur beschränkt möglich ist.

Man sagt, dass eine intakte Infrastruktur die Gesellschaft zusammenhält. Stellt eine Strommangellage, wie sie jetzt droht, deshalb eine grundlegende Gefahr dar?

Wenn Strassen, Schienen, Wasser- und Abwasserleitungen oder Stromnetze während längerer Zeit nicht mehr funktionieren sollten, dann hätten wir sicher ein ernsthaftes Problem. Und können Sie sich eine Welt ohne Internet und Kommunikationsnetze vorstellen? Im Gegensatz zu vielen andern Ressourcen produzieren wir in der Schweiz Strom selber. Das trägt zur Resilienz dieser Infrastruktur bei. Wenn auch mit grossen Anstrengungen können wir alle einen Beitrag leisten, dass eine Mangellage hoffentlich gar nicht eintreten wird.

Was raten Sie den Schweizerinnen und Schweizern, wenn sie sich optimal auf mögliche Infrastrukturausfälle vorbereiten möchten?

Schauen Sie unsere Ratschläge zum Notvorrat an und prüfen Sie – Ihren Bedürfnissen entsprechend – Ihre Reserven. Spielen Sie in Gedanken einen Ausfall durch und entdecken so, wo Ihre Vorbereitung noch verbesserungsfähig ist. Denken Sie dabei nicht nur an die Energieversorgung, sondern auch jene mit Nahrungsmitteln und Medikamenten. Wenn Sie sich an unsere Tipps halten, dann sind Sie im Notfall schon gut gerüstet. Ein Hinweis noch für die aktuelle Situation: Achten Sie darauf, dass ihre Heizöltanks gefüllt sind und hoffen Sie nicht auf tiefere Preise. Wenn alle ihre Tanks erst füllen, wenn es nicht mehr anders geht, dann könnte es eng werden, weil LKWs und Chauffeure für die Verteilung fehlen.

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Letzte Änderung 13.10.2022

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