Vorbereitungsmassnahmen und Verhaltenshinweise Wirtschaft

Trotz brancheninterner Vorbereitung und staatlicher Massnahmen liegt eine angemessene Krisenvorsorge grundsätzlich in der Eigenverantwortung und im Interesse jedes Einzelnen. Die Wirtschaft sollte bereits heute ein Minimum an Vorkehrungen treffen, um im Fall von Stromunterbrüchen oder einer Strommangellage gewappnet zu sein und richtig reagieren zu können. Erfahrungsgemäss ermöglicht eine angemessene Vorbereitung eine weitaus schnellere und effizientere Reaktion beim Auftreten von Störungen.

In diesem Sinne sollte man

  • sich bewusst sein, dass Stromunterbrüche oder Strommangellagen auftreten können, auch bei uns in der Schweiz;
  • sich über deren Auswirkungen Gedanken machen und rechtzeitig Vorbereitungen treffen, mit denen man die negativen Folgen auf den eigenen Betrieb reduzieren kann.

Betriebliches Kontinuitätsmanagement

Die wohl effektivste Vorbereitung besteht aus einer systematischen Analyse der Geschäftsprozesse, um daraus eine Strategie und Massnahmen abzuleiten, damit bei einem Unterbruch der Stromversorgung rasch gehandelt werden kann, d.h. das Erstellen eines sogenannten betrieblichen Kontinuitätsmanagements (Business Continuity Management, BCM). Damit bereiten Sie Ihren Betrieb oder Ihr Unternehmen auch auf andere Gefahren vor.

Durch vier einfache Schritte erstellen Sie Ihr individuelles BCM:

  • Geschäftsprozesse analysieren: Identifizieren Sie Ihre kritischen Geschäftsprozesse, deren Ausfall oder Störung hohe Schäden verursacht. Dazu analysieren Sie die notwendigen Arbeitsschritte und deren zwingende Abfolge. Legen Sie fest, wie lange diese kritischen Geschäftsprozesse maximal ausfallen dürfen.
  • Schutzziele definieren: Bestimmen Sie die Geschäftsaktivitäten und -prozesse, die bei einem Unterbruch der Stromzufuhr weitergeführt werden müssen und entscheiden über deren Priorität.
  • Massnahmen erarbeiten: Definieren Sie die notwendigen Massnahmen, mit denen Sie auf den Ausfall kritischer Geschäftsprozesse reagieren können, um die Auswirkungen eines Stromunterbruchs oder einer Strommangellage zu minimieren.
  • Massnahmen überprüfen: Testen Sie die Wirksamkeit der definierten Massnahmen.

Sie sollten diese Schritte periodisch wiederholen und falls nötig anpassen. Wir empfehlen eine Wiederholung mindestens alle vier Jahre. Die Investition in ein BCM lohnt sich: Es hilft Ihnen, Ihre Geschäftsprozesse und Versorgungsketten ganzheitlich zu betrachten und so jederzeit die wichtigsten Geschäfts- und Produktionsprozesse zu überblicken, sodass Sie schnell und flexibel auf unerwartete Entwicklungen reagieren können. Weitere Informationen zum Thema BCM finden Sie im BCM-Ratgeber auf dieser Webseite.

Bauliche Massnahmen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Stromversorgung individuell noch zuverlässiger zu machen:

  • Direkteinspeisung von einem Unterwerk
  • Einspeisung aus verschiedenen Unterwerken

Lassen Sie sich zu diesem Thema von ihrem Stromversorger beraten.

Neubauten oder Renovationen bieten die Gelegenheit, die Auswirkungen von Stromunterbrüchen und Strommangellagen zu vermindern. Sie können z.B. vorsorgen, indem Sie

  • alle Gebäude nach neusten Standards isolieren;
  • Kühllager mit Schutzschleusen zur besseren Isolation versehen;
  • automatische Lager möglichst auch ohne Strom benutzbar machen, zumindest rudimentär;
  • zahlreiche Quellen für Tageslicht einbauen, z.B. in Verkaufslokalen;
  • Ställe so bauen, dass rasch manuell gelüftet werden kann;
  • als Landwirt die Lagerprozesse bei Futtermitteln stromungebunden machen.

Unterbruchsfreie Stromversorgungsanlage

Um kurzzeitige Stromunterbrüche zu überbrücken, lohnt sich die Installation einer unterbruchsfreien Stromversorgungsanlage (USV). Mit einer USV können Kernelemente wie IT-Systeme oder Sicherheitsanlagen für Minuten oder Stunden unterbruchsfrei weiterbetrieben bzw. kontrolliert heruntergefahren werden. Folgendes gilt es bei der Anschaffung einer USV zu beachten:

  • Prioritäten setzen: Eine USV liefert nur eine begrenzte Menge an Strom, weshalb Sie sich auf die kritischsten Anwendungen konzentrieren müssen.
  • genügend Leistung: Ob ein System bei einem Stromunterbruch noch 30 Minuten oder zwei Stunden läuft wird für Sie im Ernstfall einen entscheidenden Unterschied machen.
  • möglichst kurze Ladezeit: Bei wiederkehrenden Netzabschaltungen in einer Strommangellage ist es von Vorteil, wenn die USV während den stromversorgten Stunden ganz aufgeladen werden kann.
  • regelmässig testen: Eine falsch angeschlossene oder nicht funktionierende USV kann erheblichen Schaden anrichten.
    Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten.

Auch mit USV und Notstromaggregaten (NSA) kann in energieintensiven Betrieben die Produktion nicht aufrechterhalten werden. Eine Notstromversorgung hilft jedoch, die wichtigsten Unternehmens- oder Betriebsbereiche vor den gravierendsten Folgen eines Stromunterbruchs zu schützen.

Notstromaggregat

Mit einem Notstromaggregat (NSA) können unverzichtbare Elemente auch bei einem länger andauernden Stromunterbruch weiterbetrieben oder stabilisiert werden. Damit sollten Anlagen und Systeme geschützt werden, die

  • für die Sicherheit von Mensch und Tier unverzichtbar sind;
  • bei einem Stromunterbruch dauerhaft Schaden nehmen (z.B. Schmelzöfen) oder grossen finanziellen Schaden verursachen (z.B. Kühllager);
  • lange Anlauf- bzw. Reinigungszeit haben (z.B. Reinräume) oder für das Funktionieren des restlichen Betriebs zentral sind (z.B. Rechenzentren).

Folgendes ist bei der Anschaffung eines NSA zu berücksichtigen:

  • Achten Sie bei der Installation eines Notstromnetzes darauf, dass sich einzelne Komponenten je nach Priorität zuschalten lassen.
  • Je nach Grösse und Verwendungszweck des NSA müssen Sie auch eine Umschaltvorrichtung installieren, um von der Verteilnetzversorgung im Gebäude auf die Versorgung durch das NSA zu wechseln.
  • Üben Sie die Handhabung Ihres NSA und testen Sie regelmässig dessen volle Funktionstüchtigkeit.
  • Lagern Sie ausreichend Treibstoff für das NSA. Diesel ist unkomplizierter zu lagern als Benzin.
  • Bei diversen Anbietern besteht die Möglichkeit, mobile NSA zu mieten oder für den Krisenfall zu reservieren. Falls beabsichtigt, muss darauf geachtet werden, dass die nötigen Anschlüsse / Umschaltvorrichtung für ein mobiles NSA im Gebäude vorhanden sind.
  • Achten Sie auch darauf, dass die richtigen Anschlüsse vorhanden sind, um externe Elemente mit dem NSA aufzuladen, falls gewünscht.
  • Erstellen Sie eine Checkliste aller Anlagen, die nach dem Wechsel auf ein NSA neu gestartet werden müssen (z.B. Aufzüge).

Lassen Sie sich von einer Fachperson beraten.

Auch mit NSA und unterbruchsfreien Stromversorgungsanlagen (USV) kann in energieintensiven Betrieben die Produktion nicht aufrechterhalten werden. Eine Notstromversorgung hilft jedoch, die wichtigsten Unternehmens- oder Betriebsbereiche vor den gravierendsten Folgen eines Stromunterbruchs zu schützen.

Letzte Änderung 24.11.2016

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