Bericht der Arbeitsgruppe Lebensmittelversorgung

Zusammenfassung

Die Welt ist durch COVID-19 seit Wochen im Ausnahmezustand: Noch nie in der Menschheitsgeschichte waren derart viele Nationen zur gleichen Zeit gezwungen, massive Einschränkungen in der persönlichen Freiheit und der Wirtschaft anzuordnen. Dadurch ist eine weltweite Stagnation, ja sogar ein markanter Rückgang des Wirtschaftswachstums zu erwarten.

Der Fachbereich Ernährung der wirtschaftlichen Landesversorgung hat die mittelfristigen Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung Ende April 2020 in einem Bericht festgehalten: 2020 ist eine ausreichende Versorgung der Schweiz gewährleistet. Dazu hat Agroscope 16 Quellen von 12 Institutionen ausgewertet. Auch 2021 ist keine grossflächige schwere Mangellage zu erwarten. Die Pandemie wird insbesondere Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in Entwicklungs- und Schwellenländern haben.

Doch die Pandemie zeigte auch, dass bereits kleinste Anzeichen von Veränderungen der Lebensgewohnheiten (z.B. Deklarierung der ausserordentlichen Lage durch den Bundesrat) zu grösseren Auswirkungen wie Hamsterkäufen und gesteigerter Aggressivität der Konsumentinnen und Konsumenten führen.

Deshalb untersuchte die Arbeitsgruppe ein verschärftes, fiktives Szenario: Welche Auswirkungen hätte ein Importausfall von 50% bei einem gleichzeitigen Ausfall von 20% der Arbeitskräfte auf die Versorgung der Schweiz mit Lebensmitteln bis Ende Oktober 2020?

Die Analyse macht deutlich, dass auch unter dem stark veränderten Szenario im April keine Mangellage bestanden hätte. Der Bericht zeigt auch, dass viele der involvierten Stellen gut vorbereitet sind. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Landwirtschaft BLW (Ernährungssicherung in Normalzeiten) und dem Fachbereich Ernährung der wirtschaftlichen Landesversorgung (Ernährungssicherung in schweren Mangellagen) funktioniert gut.

Der Bericht wie auch die aktuellen Erfahrungen in der COVID-19-Krise zeigen jedoch, dass Bedarf besteht, den Krisenstab des Bundes, der im Auftrag des Bundesrates für die Krisenbewältigung federführend ist, mit einem Teilstab «Lebensmittel» zu erweitern.

Der Bericht zeigt zudem, dass es notwendig ist, im Rahmen regelmässiger Übungen und unter Annahme spezifischer Versorgungsprobleme mit den diversen Akteuren die Umsetzung angedachter Massnahmen zu überprüfen. Ferner wird empfohlen, dem Krisenstab des Bundes eine mittel- bzw. langfristige Analyse zu beantragen, welche sich mit sämtlichen Folgen des weltweiten Ausnahmezustands befasst.

Letzte Änderung 09.07.2020

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