Ethanol

Ethanol ist eine Substanz, die vor allem für die chemisch-pharmazeutische Industrie wichtig ist . So ist Ethanol bei der Herstellung von Arzneimitteln unabdingbar. Engpässe bei der Ethanol-Versorgung während der COVID-19-Krise machten auch der breiten Bevölkerung bewusst, wie wichtig ständig verfügbares Ethanol ist. Der Bundesrat hat inzwischen die Weichen gestellt, damit die Schweiz künftig stets genug Ethanol hat.

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Aktuell

Bundesrat will fünfjährigen Vertrag mit Alcosuisse für Schweizer Ethanol-Reserve

Die Vorratshaltung von Ethanol in der Schweiz soll aufgrund der aussergewöhnlichen Struktur des Ethanolmarktes ausnahmsweise über einen Vertrag mit der Alcosuisse AG sichergestellt werden. Die in der Vernehmlassung präsentierte Pflichtlager-Lösung stiess auf zu grossen Widerstand und wird deshalb nicht umgesetzt.

Für den auf fünf Jahre angesetzten Vertrag mit der Alcosuisse AG hat der Bundesrat am 11.März.2022 beschlossen, dem Parlament einen Verpflichtungskredit zu beantragen.

Wie wichtig die ständige Verfügbarkeit von Ethanol ist, haben Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie gezeigt. Deshalb hat die wirtschaftliche Landesversorgung WL noch im Jahr 2020 die Einführung einer Pflichtlagerhaltung von Ethanol in Angriff genommen.

Als Übergangslösung ist beim Privatunternehmen Alcosuisse bereits seit Ende März 2021 eine Reserve von 6'000 Tonnen Ethanol eingelagert. Damit hat die Schweiz während drei Monaten genug Ethanol für die versorgungsrelevanten Bereiche wie etwa die Produktion von Desinfektionsmitteln oder von Medikamenten.

Medienmitteilung: Bundesrat will fünfjährigen Vertrag mit Alcosuisse für Schweizer Ethanol-Reserve

Verordnung über die Pflichtlagerhaltung von Ethanol

(11.03.2022)

Ein erster Schritt dorthin war die Einrichtung eines Sicherheitslagers. Der Bundesrat hatte für dieses einen Verpflichtungskredit von 5,82 Millionen Franken beantragt. Dabei handelt es sich um eine Übergangslösung. Sie ist bis Ende 2021 befristet. Das Parlament stimmte dem im September 2020 zu. Dieses Sicherheitslager soll 6000 Tonnen Ethanol umfassen. Damit deckt es den Bedarf an Ethanol ab, der während drei Monaten in den versorgungsrelevanten Bereichen wie Desinfektionsmittel oder Arzneimittel benötigt wird.

Eingelagert ist das Ethanol beim Privatunternehmen Alcosuisse. Seit Ende März 2021 sind dort nun die vorgesehenen 6000 Tonnen in Reserve. Der Bund entschädigt der Firma die Lagerhaltungskosten. Das BWL kann Alcosuisse gestatten, Ethanol aus dem Sicherheitslager zu entnehmen, wenn sich die Versorgungslage wieder zuspitzen sollte.

Als dauerhafte Lösung strebt der Bundesrat aber ein Pflichtlager für Ethanol an. Die Verordnung dazu, die derzeit in der Vernehmlassung ist, basiert auf dem Landesversorgungsgesetz. Die Idee eines Pflichtlagers fand bereits 2020 in beiden Parlamentskammern mit der Annahme der Motion Michaud Gigon Unterstützung.

Nur in Ausnahmesituationen mit Schweizer Ethanol

Das in der Schweiz verwertete Ethanol wird zu 100% importiert, vor allem aus Frankreich, Deutschland, der Ukraine, Brasilien, Pakistan und Guatemala. In Ausnahmesituationen, könnte in der Schweiz hergestelltes Ethanol die Importe ergänzen. Erfahrungen während der COVID-19-Krise zeigten, dass Händedesinfektionsmittel für die Bevölkerung durchaus mit Schweizer Ethanol aus Wein, Schnaps oder Obst hergestellt werden können.

Um Hände- und Oberflächendesinfektionsmittel für das Gesundheitswesen und Arzneimittel herstellen zu können, braucht es allerdings spezielle Spezifikationen für Ethanol gemäss der Biozidprodukteverordnung.

Ethanol gibt es in unterschiedlichen Konzentrationen und Qualitäten Die am häufigsten verwendeten Konzentrationen sind Ethanol absolut (99.9%) und Ethanol 96% (V/V) in Pharma Grade Qualität. Damit können alle relevanten Verwendungszwecke abgedeckt werden.

Gut die Hälfte des gesamten in die Schweiz importierten Ethanols wird als Treibstoffzusatz verwendet (Biofuel). Das Ethanol für die Industrie wird zu rund je einem Drittel im chemischen sowie im pharmazeutischen Bereich eingesetzt, inklusive der Herstellung von Desinfektionsmitteln. Das letzte Drittel geht unter anderem in die Produktion von Aromen, Essenzen, Kosmetik und Lebensmittel.

Auch bekannt als Ethylalkohol, Alkohol, Spiritus, Sprit

Ethanol entsteht durch Vergärung von Zucker oder Stärke aus biologischen Materialien, zum Beispiel aus Mais, Zuckerrohr oder Getreide. Die benötigte Konzentration (>15%) wird durch Destillation erreicht. Ethanol kann auch aus chemischer Synthese (Erdölnebenprodukt, nicht für Spirituosen) hergestellt werden. Dies ergibt sogenannten technischen Alkohol. Er wird vor allem als Lösungsmittel oder Brennstoff eingesetzt.

Es wird unterschieden zwischen Ethanol, das für Genusszwecke bestimmt ist und besteuert wird (undenaturiertes Ethanol) und Ethanol, das durch Zusatz bestimmter Stoffe oder Stoffgemische für den Genuss unbrauchbar gemacht und in der Industrie eingesetzt wird (denaturiertes Ethanol).

Letzte Änderung 11.03.2022

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